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Das Handwerk

Manuell fotografieren

…oder wie dieser Artikel auch heißen könnte: DAS LICHT

Das richtige Licht ist das A und O.

Jetzt geht es ans Eingemachte! Ja wir beschäftigen uns heute mit einem wichtigen Teil des Handwerks „Fotografie“. Und was ich jetzt schreibe, ist so allgemein gültig, dass mir gleich mehrere mögliche Titel für diesen Artikel eingefallen sind: siehe oben. Denn die Lehre vom Licht ist essentiell, um zu verstehen, wie Fotografie überhaupt funktioniert. Und beim Manuellen Fotografieren geht es darum, die Blende, die Belichtung und die ISO per Hand für jedes Motiv individuell einzustellen und nicht einfach irgendwelche vorgefertigten Modi zu benutzen.

Die Blende

Starten wir doch einfach mit der Blende. Sie ist ein kleiner Schließmechanismus vorne, hinter der Linse deines Objektivs, die im Grunde wie die Iris in einem Auge funktioniert. Ich mache diesen Vergleich übrigens nicht nur, weil er gerade passt, sondern weil in der Fotografie einiges dem menschlichen Auge nachempfunden wurde.

Wenn jetzt also die Sonne scheint und du dich draußen aufhältst, dann zieht sich die Iris in deinem Auge zusammen, damit du nicht permanent geblendet wirst. Deine Pupillen werden kleiner und sind nun mehr zwei kleine schwarze Punkte in deinen Augen.

Bei einer Kamera ist das ganz genau so: wenn es sehr hell ist, kann es ratsam sein, die Blende etwas zu schließen, damit dringt weniger Licht durch die Linse (genau wie durch deine Augen) und dein Bild wird nicht überbelichtet. Eine weit geöffnete Blende hat aber auch Vorteile. Zum Beispiel schafft sie eine wunderschöne Tiefenschärfe, die dem Bild mehr Dimension verleiht.

Die Unschärfen im Vorder- und Hintergrund werden „Bokeh“ genannt (ja, man schreibt das tatsächlich so), und sind mehr als erwünscht.

Auch das Bokeh ist wieder dem Auge nachempfunden. Denn wenn man einen Gegenstand mit dem Auge fokussiert, wird auch alles andere drum herum unscharf. Das Bokeh lässt ein Bild also sehr natürlich aussehen und genau das macht es so ansprechend. Bitte nicht verwechseln mit tatsächlicher Unschärfe, das sieht anders aus – müsste ich es beschreiben, würde ich sagen: nicht so schön.

Was es noch zu wissen gibt: Die Öffnung der Blende, wird mit der sogenannten Blendenzahl angegeben. Je niedrieger die Zahl, desto weiter ist sie geöffnet. Mein aktuelles Objektiv besitzt eine Blende im Bereich von 3,8 bis 25 – was unter uns gesagt, nicht sonderlich spektakulär ist. Solltest du dich also auf die Suche nach einem guten Objektiv machen, kann eine niedrige Blendenzahl ein super Anhaltspunkt sein.

Die Belichtungszeit

Machen wir weiter mit der Belichtungszeit. Auch die kann man super mit dem Auge vergleichen. Stell dir vor, du hättest deine Augen immer geschlossen und du öffnest sie nur kurz, wenn dich jemand anstupst.

Auch deine Kamera hat ihre Augen immer geschlossen. Auch sie öffnet diese nur kurz, wenn sie angestupst wird – mit anderen Worten: wenn du den Auslöser drückst. Und die Belichtungszeit gibt dabei dann an, wie schnell die Kamera blinzelt.

Je kürzer die Belichtungszeit eingestellt ist, desto dunkler wird das Foto. Damit kann eine weit geöffnete Blende, die man wegen des schönen Bokehs auf keinen Fall weiter schließen möchte, wieder etwas „runter reguliert“ werden. Außerdem kann eine kürzere Belichtungszeit Menschen oder Gegenstände in der Bewegung einfrieren. Längere Belichtungszeiten hingegen, eignen sich besonders für dunkle Motive, zum Beispiel einen tollen Vollmond zur blauen Stunde oder nachts auf einer Lichtung im Wald. Spätestens dann solltest du aber unbedingt ein Stativ oder einen festen Untergrund verwenden (ein Autodach macht sich da übrigens ganz gut), sonst wirst du unmöglich ein scharfes Foto zustande bringen.

Der „Mitzieher“ ist eine Technik aus der Sportfotografie, die mit einer längeren Belichtungszeit arbeitet.
Eine kurze Belichtungszeit kann Bewegungen einfrieren. Super erkennbar an den Wasserspritzern links im Bild.

Sportfotografen arbeiten ganz bewusst mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, um Bewegung und Dynamik besser einfangen zu können. Wenn Du wissen willst, wie es mir mit meinem ersten Versuch in der Sportfotografie ergangen ist, bleib dran, es wird bald einen Artikel dazu geben. Aber mal so als kleiner Hinweis: einen Preis werd‘ ich mit den Bildern sicherlich nicht abräumen *hust*.

Was es noch zu wissen gibt: Belichtungszeiten werden in Sekunden angegeben, auch, wenn die Belichtung über mehrere Sekunden, Minuten oder sogar Stunden andauern kann. Um ein kleines Beispiel zu geben: meine Kamera kann von 30 Sekunden bis 1/4000 Sekunde belichten. Zusätzlich gibt es noch eine „Bulb“-Funktion, die solange belichtet, wie man den Auslöser gedrückt hält. Bei einer Belichtungszeit von über 5 Sekunden spricht man übrigens schon von Langzeitfotografie, die vor allem für Nachtaufnahmen oder Astrofotografie super geeignet ist.

Die ISO-Empfindlichkeit

Wer hat das nicht schon mal erlebt? Man schlummert schön in seinem kuschligen Bettchen, plötzlich kommt Mama ins Zimmer gestürmt, trällert „Guten Morgen!“ und reißt die Vorhänge auf. Toll, morgens um sechs, wenn man zur Schule muss. Klar, dass man die Sonne da meidet wie ein Vampir und instiktiv das Gesicht im Kissen vergräbt, sonst bestünde die Gefahr einer akuten Erblindung!

Oder: Stromausfall im Keller. Bis sich die Augen an die plötzliche Dunkelheit gewöhnen, ist es quasi finstere Nacht und man hört sich nur noch fluchen, weil man sich auf dem Weg zum Sicherungskasten einen Zeh nach dem anderen stößt.

Was dein Auge ganz toll selber kann, nämlich die Lichtempfindlichkeit regulieren, muss bei der Kamera hin und wieder manuell etwas angepasst werden. Die ISO-Empfindlichkeit ist also nur ein weiterer Wert, mit dem du Einfluss auf die Belichtung deiner Bilder nehmen kannst. Sie regelt, die Empfindlichkeit deines Sensors auf Licht… also nicht dein Sensor, sondern der, deiner Kamera. Eine höhere Lichtempfindlichkeit, empfiehlt sich dabei vor allem für dunkle Motive, wenn es bewölkt ist oder für ein Indoor-Fotoshooting. Aber Achtung: eine hohe Lichtempfindlichkeit bringt gerade an den dunklen Stellen in einem Foto ein „rauschen“ mit sich und es sieht griselig aus.

Warum ist so ein ISO-Wert denn dann wichtig, wenn der so scheusliche Bilder macht und man mit der Blende sowieso toll arbeiten kann?

Kleines Beispiel: angenommen du bist der Partyfotograf auf der Geburtstagsfeier deines besten Freundes/deiner besten Freundin. Um tolle Portraitfotos zu machen, setzt du auf maximale Tiefenschärfe und arbeitest mit einer weiten Blende. Die Belichtungszeit kannst du nicht allzu weit herunter setzen, sonst verwackeln deine Bilder. Und ein Stativ? Ständig auf- und abbauen bei dem ganzen Gewusel… willst du das wirklich? Blitz ist ja ganz nett, aber was bringt es, wenn die Leute vor Schreck ständig mit den Augen kneifen? Damit deine Bilder also nicht zu dunkel werden und du auch um Mitternacht zum Anstoßen noch super Fotos machen kannst, ist hier deine einzige Chance, den ISO-Wert hochzuschrauben.

Je nach Kamera fällt das Rauschen auf den Bildern unterschiedlich stark aus. Und ich rate dir, bevor du den ISO-Wert jetzt total verteufelst oder zum heiligen Gral auserwählst, einfach mal zu gucken, was deine Kamera so kann.

Was es noch zu wissen gibt: ISO 100 ist die niedrigste Zahl, die meine Kamera kann. Ich persönlich justiere die ISO erst zum Schluss und nutze immer den kleinstmöglichsten Wert. Das Meiste konnte ich bisher über Blende und Belichtungszeit regeln. Wenn du trotzdem einen ungefähren Richtwert möchtest:

ISO 100 – 200: bei jedem Wetter, zu dem du eine Sonnenbrille tragen würdest

ISO 400 – 800: stark bewölkt, Schatten, im Wald, Nebel

ISO 1600 – 3200: Wenns dann doch mal dunkler wird, auf einer Party, nachts oder mit wenig Restlicht

Wie geht das jetzt genau?

Wie genau die Werte bei deiner Kamera eingestellt werden, würde hier zu weit gehen und wäre wohl auch recht sinnbefreit – ich kenne schließlich auch nur mein Model. Der Beste Tipp ist hier: einfach ausprobieren. Sich mal einen Nachmittag Zeit nehmen und wirklich alle Einstellungsmöglichkeiten, Kombinationen und Lichtverhältnisse ausprobieren. Fotografieren muss man lernen und das heißt auch: einfach mal machen und schauen, was rauskommt!

Bis dahin,

deine Stephie

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