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Das Drumherum

Schwarz-Weiß Bilder

Schwarz-Weiß Bilder sind für mich die Art von Bildern, die ich mir ansehe und denke „Wahnsinn, so eine tolle Stimmung, so eine tolle Atmosphäre – ich könnte das nie so einfangen.“ Das begründet sich vor allem darin, dass ich bisher oft einfach den Schwarz-Weiß Filter drüber geklatscht habe und dann sehr enttäuscht war, wenn das alles nicht so aussah, wie ich es mir erhofft hatte.

Was ich nicht verstanden hatte, war…

… dass es bei der Schwarz-Weiß-Fotografie nicht nur darum geht einfach die Sättigung runter zu regeln. Wie bei jedem anderen Bild, muss auch hier die Bildkomposition, der Bildaufbau stimmen, damit es wirkt. Es reicht auf jeden Fall nicht, einfach alles blind abzulichten, weil in Schwarz-Weiß ja ohnehin alles edel und besonders aussieht. Kaum zu glauben, aber früher war meine Einstellung so.

Aber warum wirkt Schwarz-Weiß?

Früher als der Fotofilm nur schwarz-weiß aufnehmen konnte, waren Kameras fast unbezahlbar und jedes Bild unwahrscheinlich wertvoll. Niemand wäre je auf die Idee gekommen 247 verschiedene Fotos mit 136 unterschiedlichen Posen zu machen, nur damit vielleicht eines dabei ist, dass #instalike genug ist – dafür waren die Filme einfach zu kostbar.

Die Fotografen damals arbeiteten sehr wohlüberlegt. Jedes Bild war etwas Besonderes. Und genau das ist es, was wir auch heute noch mit Schwarz-Weiß Aufnahmen verbinden: das Gefühl, etwas Besonderes zu sehen. Darum übt diese Art der Fotografie so eine starke Wirkung auf uns aus.

Diese Bildwirkung können wir uns zu nutze machen

Ja ich gehöre zu den Menschen, die die Stimmung eines Bildes sehr mit den dargestellten Farben in Verbindung bringen. Nun ich will nicht lügen, manchmal ist da einfach nichts rauszuholen, manchmal ist es einfach langweilig. Ich gebe dir ein kleines Beispiel:

Die Nikolaikirche und das alte Rathaus in Stralsund sind ein viel fotografiertes Motiv. Ich gehe jeden Tag daran vorbei und jeden Sommer landet dieses Motiv, so oder so ähnlich, in den Kameraspeichern tausender (Hobby-)Fotografen. Als ich dieses Foto machte, war es mein einziges Ziel nicht einer von vielen zu sein.

Du siehst schon, farblich passiert da nicht sonderlich viel: ein bisschen Himmel mit Wolken und Sonne, roter Backstein… das wars. Man hätte vielleicht noch die grünen Turmspitzen später in der Nachbearbeitung mehr betonen können, aber mir war recht schnell klar, dass das nicht so funktioniert, wie ich mir das vorstellte.

Und so machte ich mir die WIRKUNG von SCHWARZ-WEISS zu nutze. Wir erinnern uns – das Gefühl etwas Besonderes zu sehen.

So kann man ganz gezielt die Aufmerksamkeit auf etwas lenken, dass unter anderen Umständen vielleicht übersehen worden wäre.

Umso wichtiger ist es, mit den Bildern auch wirklich etwas zeigen zu wollen.

Also nicht einfach wild drauf los knipsen und hoffen, dass das schon irgendwie klappt. Sondern sich bewusst mit dem Bild auseinander setzen, sich Zeit nehmen – wie die Fotografen früher.

Wie ist der Bildaufbau? Wie kann ich das, was ich zeigen möchte, auch wirklich darstellen? Hat das Bild Tiefe? Hat es einen Vorder-, Mittel- und einen Hintergrund. Auf was soll das Bild aufmerksam machen?

Bewusster Fotografieren ist hier der Schlüssel

Schwarz-Weiß ist also nicht nur die Möglichkeit seine Bilder in ein neues Licht zu rücken, sondern vor allem auch um den fotografischen Blick zu üben. Heißt Motive sehen lernen, Bildaufbau bewusst wahrnehmen und gezielt einsetzen. Sich ganz im Klaren darüber zu sein, was einem Bild eine gewisse Tiefe verleiht und was nicht. Wenn wir durch Farbgebung nicht mehr abgelenkt werden, ist es umso wichtiger sich mit dem grafischen Aufbau zu beschäftigen.

Mir hat es wahnsinnig Spaß gemacht, mich meinen Fotos auf diese Art und Weise anzunähern und ich habe mich so sehr intensiv mit meinem Bildaufbau beschäftigen können! Vielleicht gibt es dir ja auch eine neue Sichtweise auf deine Art zu fotografieren.

Probiere es gerne aus und gib‘ mir Bescheid, wie es gelaufen ist!

Bis dahin alles Liebe,

deine Stephie!

2 Antworten auf „Schwarz-Weiß Bilder“

Noch bevor ich den Text gelesen habe, ist mir das Titelbild ins Auge gefallen und ich hab sofort gedacht, das ist was, unbedingt weitermachen, lieber Fotovogel! Die harten Kontraste betonen die rohe Energie der Brandung, die verwitterten Hölzer im Vordergrund machen Wind und Regen spürbar!
Wie du sehr treffend schreibst, führt uns der Umgang mit der S/W-Fotographie zur bewussteren Wahrnehmung. Fotografieren heißt sehen lernen, sagen die Fotografen, und ein guter Pfad dafür ist die Beschränkung auf Tonwerte, Licht und Schatten in Reinform, sozusagen. Nicht nur die Bilder, auch der Artikel hat mir sehr gefallen, wie immer kann man deine Erkenntnisse nachvollziehen und vor allem nachspüren 🙂 Bitte mehr!

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