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Das Handwerk

50 Shots of…

Nein, nicht „50 Shades of Grey“, sondern 50 Shots… of an Apple, wenn man so will. Und damit herzlich willkommen zu meinem neuen Blogartikel. Dieser hier ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen geht es in diesem Beitrag um eine fotografische Übung, zum anderen ist das mein erster Zweiteiler mit dem wunderbaren Felix Lachmann von heimatlicht-mv, der sich der gleichen Aufgabe gestellt hat.

Die Aufgabe

Im Grunde ziemlich einfach: suche dir ein simples Objekt, positioniere es irgendwo und fotografiere es aus 50 verschiedenen Perspektiven. Nicht berühren, nicht bewegen, nicht verändern, nur sich selbst und die Kamera – das sind die Regeln.

Der beste Beweis dafür, dass die simpelsten Dinge dann doch ganz schön herausfordernd sein können. Die Idee für diese Aufgabe, ist auch nicht einfach so über uns gekommen, sondern geht zurück auf den Fotografen Sean Dalton, der diese Übung für die Verbesserung der Bildkomposition empfiehlt. Sein Video dazu kannst du gerne hier ansehen.

Nach einiger Zeit in der Fotografie ist es zwangsläufig so, dass man irgendwann immer den „gleichen Stiefel fährt“. Alles sieht ähnlich aus, nichts scheint besonders zu sein und man meint, festzustecken. Diese Übung soll das Auge schulen und den Blick für neue Perspektiven öffnen, denn an einem gewissen Punkt ist man gezwungen, Neues zu testen.

Warum unbedingt ein kleines und simples Objekt? Je kleiner und simpler der Gegenstand desto schwieriger die Übung. 50 Perspektiven von einem Auto, sind schnell gemacht. Ein Gegenstand hingegen, den man mit einem Blick vermeintlich schnell erfasst hat, verlangt etwas mehr Geschick.

Objekt und Location

Ich gebe zu, dass bereits das Was? und Wo? mir heftiges Kopfzerbrechen bereitete. Wenn ich fotografiere, bin ich meistens draußen unterwegs und insziniere selten ein konkretes Objekt. Ein Grund mehr, auch mal anders zu arbeiten.

Da ich coronabedingt gerade zu Hause, bei meiner Familie, Unterschlupf gefunden habe und zudem der Meinung bin, dass es hier im Haus wirklich wenig fotogene Ecken gibt, habe ich mich ein wenig umgehört und mich für etwas Neues entschieden: ich bin zu einem Lost Place gefahren. Also zu einem verlassenem Ort. In den 2000er und 2010er Jahren wurden an solchen Orten oft Modestrecken geshootet. Mittlerweile – mehr als 10 Jahre später – ist das schon längst wieder out. An dieser Stelle war mir das aber ziemlich egal, ich bin ja schließlich kein Modefotograf und muss mich auch in keiner Branche beweisen.

Das Objekt sollte ja simpel, klein und einfach sein. Unser schönes Teleskop aus den 60ern, dass mein Bruder im ersten Lockdown mit viel Aufwand restauriert hatte, war damit schon einmal ausgeschlossen. Wenngleich es sicherlich ein äußerst spannendes Objekt gewesen wäre. Deshalb entschied ich mich stattdessen für einen dunkelroten, glänzenden Apfel. Er sollte perfekt sein, um äußerst deplatziert wirken zu können und den Kontrast zwischen menschengemacht-heruntergekommen und natürlich-schön besonders hervor zu heben. Weil ich diesen wunderschönen Apfel nicht einfach auf den Boden legen wollte, habe ich von zuhause noch einen Glastisch eingepackt und den Apfel darauf postiert.

Wie erging es mir dabei?

Zunächst hatte ich, wie fast immer, mit einer Offenblende gearbeitet, um eine schöne Schärfentiefe zu schaffen. Das Foto in der Galerie unten rechts, ist das erste Bild, das entstanden ist. Wie bescheuert eigentlich. Da hatte ich mir so viel Mühe gegeben, eine schöne Location rauszusuchen, und dann sieht man davon nichts auf den Fotos. Damit ich nicht umsonst durch die Gegend gefahren war und mich, noch dazu, mit dem Glastisch abgemüht hatte, beschloss ich schnell, die Blende etwas zu schließen und den Hintergrund deutlich mehr zu integrieren.

Das erforderte wiederum eine bewusste Bildgestaltung. Ich achtete sehr auf Symmetrie, arbeitete mit den vertikalen und horizontalen Linien der Fließen, der Tapeten oder des Tisches oder mit dem Graffiti an der Wand.

Alleine für die bewusste Bildgestaltung und die Arbeit mit der geschlossenen Blende, hatte sich diese Übung schon gelohnt!

Für die Tatsache, dass diese Übung das erste Mal war, dass ich auf diese Art und Weise gearbeitet hatte, bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Auch, wenn ich an einigen Stellen durchaus perfektionistischer hätte sein können. Sich mehr Zeit lassen, genauer sein oder mit Stativ arbeiten – all das hätte diese Bilder technisch noch verbessern können.

Ich bin ganz ehrlich

Ein paar der offensichtlichsten Motive habe ich nicht gemacht. Nicht, das ich es nicht vorgehabt hätte – den schweren Glastisch habe ich nicht durch die Gegend geschleppt, weil er so schön praktisch ist. Ich hatte durchaus vor, von oben oder unten durch das Glas, tolle Bilder zu knipsen. Eins kann ich dir sagen: diese Idee ist absolut geflopt. Ich ließ nichts unversucht, aber leider war nichts davon auch nur ansatzweise vorzeigbar. Deshalb löschte ich die Fotos noch in der Kamera und versuchte, die 50 Perspektiven anderweitig zu bekommen.

Fazit

Obwohl vieles nicht so lief, wie geplant, verbuche ich diese Übung durchaus als Erfolg. Ja, ich hatte zunächst Schwierigkeiten, Location und Objekt zu finden und ja, ich konnte nicht alle Bilder machen, die ich vorbereitet hatte. Dennoch wurde ich gezwungen, meine fotografische Komfortzone zu verlassen, neues zu probieren und hatte die Möglichkeit, genau das zu üben, was ohnehin auf meiner to-lern-Liste stand. Diese Übung werde ich mit Sicherheit wiederholen und wenn es nur sein sollte, um genauer zu arbeiten.

Hast du auch schonmal eine Fotografie-Übung gemacht, vielleicht sogar diese? Und was hast du dabei gelernt? Hinterlasse gerne einen Kommentar oder schreibe mir eine Nachricht über mein Kontaktformular.

Wenn du jetzt Interesse hast, von Felix‘ Erfahrungen und Lernerfolgen zu lesen, hier gelangst du zu seinem Fotografie-Blog.

Ansonsten hören wir bald wieder voneinander. Du kannst dich schon einmal auf einen neuen Artikel zur Sportfotografie freuen!

Bis dahin, alles Liebe

deine Stephie

2 Antworten auf „50 Shots of…“

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