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Selbstporträts – und was wir von ihnen lernen können

Selbstporträt. Ein Wort, bei dem man zwangsläufig zwei Dinge im Kopf hat: (verrückte) Maler, die sich selbst mit abgeschnittenem Ohr noch auf Leinwand verewigen oder die Frage, ob das obligatorische Selfie eigentlich schon ein Selbstporträt ist. Meiner, wenig umfangreichen, Recherche zu diesem Thema auf Google ist zu entnehmen, dass es sich bei einem Selfie um ein Selbstbildnis handelt, welches meist mittels Digitalkamera auf Armeslänge von einem selbst aufgenommen wird. Insofern ist ein Selfie eine eigene Form des Selbstbildnisses. Eine Form, die ich in diesem Beitrag mal außer Acht lassen möchte.

Es liegt einfach in der Natur der Dinge: von dem Menschen hinter der Kamera gibt es häufig nicht so viele Bilder. Mal abgesehen davon, dass das furchtbar schade ist, bringt die Kunst des Selbstporträts einige positive Nebeneffekte mit sich. Und nachdem ich mich schon so oft fotografiert habe, ist es an der Zeit, meine Erkenntnisse zu teilen.

Testmodus

Es hat sich herausgestellt, dass Selbstporträts den ultimativen Testmodus inne haben, für all die Vorstellungen, Ideen und Dinge, die man unbedingt einmal ausprobieren möchte. Wenn man andere Leute fotografiert, möchte man nicht inkompetent wirken. All das auszutesten, was ich später mit anderen umsetzen möchte, gibt mir die Möglichkeit, gnadenlos die Flop-Ideen auszusortieren und die Top-Ideen weiterzuentwickeln. Es herrscht kein Zeitdruck und auch deutlich weniger Erwartungsdruck. Meine eigenen Erwartungen sind Maßstab genug. Ich kann ausprobieren, was ich will und wenn nichts dabei war, dann ist das halt so. Dann versuche ich etwas anderes, auch wenn es mehrere Stunden dauert.

Ich kann die Location und die Lichtsituation genau analysieren und verstehen, was gut aussieht und was nicht. Mit dem eigenen Äußeren ist man dann doch ein wenig kritischer, als mit dem Anderer. Sich so zu porträtieren, dass die Bilder den eigenen Ansprüchen und Vorstellungen genügen, ist außerordentlich herausfordernd und hilft dabei, zu verstehen, wie andere Menschen porträtiert werden möchten. Welche Pose sieht gut aus? Wie fühlt sie sich an? Wie kann ich das weiter geben, was ich gerade mache? Wo ist die Kamera aus Sicht des Models? Wo muss das Model hinsehen, damit ich das Gesicht auf genau die Art und Weise einfangen kann, wie ich es möchte?

Selbstporträts bieten unheimlich viel Lernpotential. So viel, dass ich in meinem Leben sicher noch viele tausende Bilder von mir machen werde.

Selbstinszenierung

Ein Mensch hat viele Facetten. Ich auch. Die darf man auf Bildern auch sehen. Und ich liebe die Vorstellung, später auf diese Bilder zurück zu blicken und sich zu denken: „Ja, genau so war ich damals!“

Diese Selbstinszenierung gibt einem unerwartete Möglichkeiten, weil ich mich genauso zeigen kann, wie ich möchte oder wie mich viele andere vielleicht noch gar nicht kennen.

Beispiel: ich bin absoluter Partyraucher und obwohl das irgendwie zu mir gehört, hat mich niemand in meiner Familie je mit einer Zigarette gesehen.

Ich bin lustig, verträumt, ziemlich schusselig und etwas (nein, sehr) verkopft. Aber ich kann auch ernst sein, wahrhaftig und vielleicht auch ein bisschen sexy.

Fakt ist, ein Fotoshooting ist etwas, das man nicht alle Tage macht. So ein Shooting kann wahnsinnig teuer sein und warum sollte man so viel Geld für sich ausgeben – einfach nur so, für sich, weil man es sich wert ist?

Vielen, sehr bekannten, Fotografen sagt man nach, ein außergewöhnliches Auge zu haben für Menschlichkeit, die Menschen zu lieben und dass sie sich ihnen auf eine Weise nähern können, wie viele andere es nicht tun. Ich gehe noch ein Stück weiter und behaupte, dass jeder, der eine Form der Humanfotografie betreibt, einen eigenen Blick auf diese hat. Daher hat es etwas sehr augenöffnendes an sich, sich selbst auf diese Art und Weise zu betrachten.

Es ist schön, sich diese Bilder als Erinnerung zu schaffen. Denn (und an dieser Stelle bin ich ganz ehrlich mit dir) obwohl ich mich im Großen und Ganzen für ziemlich cool halte und mit mir zufrieden bin, gibt es regelmäßig Tage, da finde ich mich zum kotzen. Einen Schritt zurück zu treten und sich selbst mit der gleichen Hingabe zu fotografieren, wie andere, hilft da ungemein.

Benötigtes Equipment

Neben einer Digitalkamera (ob eine Spiegelreflex, Spiegellose Kamera oder dein Smartphone), ist ein Selbstauslöser mit Funk-Fernbedienung sehr hilfreich und ein Stativ. Theoretisch kann man auf die letzteren beiden verzichten, aber das macht die Sache nur komplexer, als sie ohnehin schon ist. Besonders das Stativ schenkt einem ungeahnte Freiheiten. Für mein allererstes Selbstporträt brauchte ich eineinhalb Stunden, weil ich weder das einen noch das andere hatte:

Zehn Sekunden hatte ich jeweils Zeit bis die Kamera auslöste, so hatte ich es eingestellt. Die Kamera stand dabei auf dem Kachelofen und ich benötigte unheimlich viele Anläufe, bis ich überhaupt den richtigen Bildausschnitt hatte und da war an Posing noch gar nichts geschehen. Stativ und Funkauslöser hatten meine Arbeitsweise dahingehend revolutioniert und ich bereue diese Investition kein Stück. Zumal beide nicht sonderlich teuer sind. Der Selbstauslöser hatte mich keine 20 Tacken gekostet und wenn man nicht gerade bei Sturm fotografiert oder andere verrückte Anforderungen hat, gibt es ein gutes Stativ schon für unter 100 Euro.

Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Oder Erfahrung. Oder Übung. Ich bin gespannt, wie du das Thema siehst und freue mich auf Nachrichten oder Kommentare!

Liebe Grüße,

Deine Stephie

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